Der 4. September 1963    

copyright Flugarchiv Graubünden, Foto: Friedli, Caravelle, Swissair
Swissair Caravelle, HB-ICX
copyright Flugarchiv Graubünden, Foto: Friedli

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Swissair Caravelle, HB-ICV
Flugzeugname: "Schaffhausen"
Zürich - Genf, 4.9.1963, ETD 07:10

Humlikon verliert einen Fünftel seiner Einwohner

Es war der 4. September 1963. Die Wolken hingen tief über dem Flughafen Kloten, als die Caravelle der Swissair ihren Flug nach Genf und Rom antrat. Die Maschine war voll besetzt, und niemand ahnte in diesem Moment, was sich in einigen Minuten abspielen würde. Ungefähr zehn Minuten nach dem Start, als das Flugzeug bereits den Kanton Aargau überflog, passierte das Ungeheuerliche. Durch einen Brand beschädigt, wurde das Flugzeug flugunfähig und stürzte am Rande des Dorfes Dürrenäsch ab. Alle Personen an Bord haben dabei ihr Leben lassen müssen, davon 43 Personen aus Humlikon.


Swissair Flug Zürich - Genf am 4. September 1963

Dieser Mittwoch war ein Katastrophentag, wie ihm ein Gemeinwesen wohl kaum je zu verkraften hatte.
43 Humliker wollten an diesem Tag eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt in der Nähe von Genf besuchen.
Sie trafen sich um 6.30 Uhr im Flughafen Kloten um 7:00 Uhr mit einer Caravelle der Swissair abzufliegen.
Die mit 74 Passagieren und 6 Besatzungsmitgieden vollbesetzte Kursmaschine nach Rom stürzte 7.22 Uhr bei
Dürrenäsch im Kanton Aargau ab. Die Unfallursache wurde später geklärt: Ein Rollmanöver vor dem Start hatte
die Räder des Fahrgestells so erhitzt, dass die Felgen beim nachfolgenden Start zersprangen, die heissen Bruchstücke Hydraulikleitungen zerstörten und das auslaufende Öl entzündeten, wodurch die Maschine manövrierunfähig wurde. Unter den 43 Humlliker Opfern befanden sich 19 Ehepaare, die 39 Vollwaisen im Alter zwischen dreieinhalb und neunzehn Jahren hinterliessen, im weiteren eine Mutter von drei und ein Vater von zwei Unmündigen Kindern, dann ein Vater von zwei volljährigen Kindern und zwei ledige Männer. Die Gemeinde hatte ein Fünftel ihrer damals 217 Einwohnern verloren und gleichzeitig alle Gemeinderäte, alle Schulpfleger und den Posthalter. Noch am gleichen Tag trat der Bundesrat zu einer Sondersitzung zusammen und der Zürcher Regierungspräsident traf in Humlikon ein und ging von Haus zu Haus, um den Angehörigen das Beileid der Regierung auszusprechen. Am 7. September fand im Fraumünster in Zürich die Trauerfeier für alle 80 Opfer statt, an der der Bundespräsident, weitere Bundesräte und zahlreiche Behördenmitglieder sowie eine in die Tausende zählende Trauergemeinde teilnahmen.

Zwei Tage später bewegte sich ein unabsehbarer Trauerzug von Humlikon zur Kirche Andelfingen, wo eine riesige teilnehmende Menschenmenge von den Humliker Opfern Abschied nahm. Im Vordergrund standen von Anfang an die Hilfsmassnahmen, die auf drei Ebenen nötig waren, nämlich der Betreuung der Waisen, der Weiterführung der Gemeindeverwaltung und der Fortführung der Feldarbeiten. Der Regierungsrat setzte Bezirksrat, Jugendsekretariat und Pro Juventute als interimistische Vormundschaftsbehörde ein, die das Schicksal der Waisen zu regeln hatte.

Da in manchen Haushalten Grosseltern oder ältere Geschwister da waren, mussten nur sechs Kinder ihr Heim verlassen. Sie konnten bei nahen Verwandten untergebracht werden. Bis auf eine Ausnahme stellten sich ebenfalls Verwandte als Vormünder zur Verfügung. Als zweites wurde vom Regierungsrat ein Alt-Stadtrat von Zürich, der früher einmal als Lehrer in Humlikon tätig war, zum Beauftragten für die Weiterführung der Gemeindegeschäfte bestimmt.

Am 26./27. Oktober fanden dann mit noch 52 Stimmberechtigten die Wahlen der neuen Gemeindebehörden statt. Des grossen Menschenverlusteswegen war es nicht leicht, alle Posten überhaupt zu besetzen. Als Drittes setzte das Volkswirtschaftsdepartement einen Ingenieuragronomen als Leiter der Einsatzstelle für die landwirtschaftlichen Arbeiten ein. Dabei erwies sich die immense Hilfsbereitschaft der Bevölkerung als äusserst segensreich. Tag für Tag leisteten 40 bis 70 Freiwillige (Lehrlinge von Industriebetrieben, Studenten, Feuerwehren, WK-Soldaten, Pfadfinder, Mitarbeiter von SBB und Polizeikorps, Schulklassen, viele Einzelpersonen, - sogar aus dem Ausland), total gegen 2000 Arbeitsstunden, sodass die Ernte zeitgerecht eingebracht (so auch 600 Tonnen Kartoffeln ohne Erntemaschinen), das Getreide gedroschen und die Felder fristgerecht bestellt werden konnten.

Für 22 Betriebe stellte sich die Frage der Weiterführung. ln der überwiegenden Mehrzahl war dies möglich dank angestellten Hilfskräften, einer Dorfhelferin, einem Kindergarten, automatischen Waschmaschinen im Gemeindehaus, einem Maschinenpark samt Maschinenhalle, Werkstatt und einem Maschinenfachmann.....

All dies benötigte grosse finanzielle Mittel, die im "Hilfsfonds Humlikon" zusammengefasst und durch ein Kuratorium verwaltet wurden. Geäufnet wurde der Fonds durch 250'000 Franken des Kantons und aus zahlreichen Spenden ausdem In- und Ausland.

Die weltweite Welle von Hilfsbereitschaft, die fortlaufende landwirtschaftliche Beratung und namentlich der zähe Einsatz aller vom Unglück Verschonten liessen mit Vertrauen in die Zukunft blicken.

Mittlerweile hat die Gemeinde Humlikon diesen schmerzlichen Aderlass verkraftet, sie ist zahlenmässig klein geblieben, die zweitkleinste im Kanton Zürich. Maschinengemeinschaft und Hilfsfonds bestehen weiter und die Landwirtschaft hat sich abgesehen von den Problemen, denen sie überall begegnet, gesund entwickelt.

 

Original Filmdokument vom 4. Sept.1963, Teil 1,  3,16 MB   Original Filmdokument vom 4. Sept.1963, Teil 1,  3,16 MB       ca. 1,50 min.     .wmv
Original Filmdokument vom 5.Sept. 1963, Teil 2,  4,33 MB Original Filmdokument vom 5.Sept. 1963, Teil 2,  4,33 MB    ca. 2,32 min.     .wmv

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Denkmal vom Flugzeug -
absturz in Dürrenäsch


Denkmal vom Flugzeugabsturz in Dürenäsch und weitere Bilder..............


Liste der Opfer
aus Humlikon....

Liste der Opfer
aus der Schweiz....

Liste der Opfer
aus dem Ausland....

Liste Swissair Crew

Bilder aus Dürrenäsch

Bilder aus Humlikon

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Swissair Caravelle, HB-ICV
Swissair Caravelle, HB-ICV - Schaffhausen


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