Zwei
Österreicherinnen haben in Humlikon mit einer Klostergründung begonnen
"Das Leben ist ein Gespräch mit Gott"
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| Schwester Josefa im neuen Humliker Kloster: "Wir leben in einem Orden im Übergang." |
Schwester Maranatha und Schwester Josefa sind Karmelitinnen. Die beiden österreichischen Nonnen haben in einem ehemaligen Bauernhaus im Weinländer Humlikon mit einer Klostergründung begonnen. Hier wollen sie beten und arbeiten - aber auch ein offenes Ohr für Menschen haben, die die Stille suchen.
Die Adresse ist das einzige, das äusserlich an ein
Kloster erinnert: Chlosterstrasse 4, lautet die Anschrift. Im Oktober öffnete das Kloster
seine Pforten in einem typischen Weinländer Bauernhaus. Es hat keine Wandelhalle, keine
Gitterfenster und auch sonst nichts von einem herkömmlichen Kloster. Im Besucherraum
steht ein Glastisch vor einem grünen Kachelofen, an der Wand neben der Tür hängt ein
Kreuz, hinter dem Tisch ist ein modernes Bild zu sehen.
Eine Fügung
Schwester Maranatha und Schwester Josefa haben sich gerne hier niedergelassen. "Wir
haben von Anfang an gmerkt, es muss das richtige Plätzl sein", sagt Schwester
Josefa, die uns in Ordenstracht empfängt. Sie stammt aus dem Tirol, trat vor 19 Jahren in
Innsbruck in den Orden der Karmelitinnen ein. Ihre Ordensschwester Maranatha ist schon
seit 23 Jahren dabei. Zurzeit weilt sie für eine Zahnbehandlung in ihrem Heimatland.
Es sei nicht Zufall, sondern Fügung, dass sie sich in diesem überwiegend reformierten
400-Seelen-Dorf niedergelassen hätten, ist Schwester Josefa überzeugt. Sie kamen auf
Einladung einer Zürcherin in die Schweiz, die in jungen Jahren selber dem
Karmelitinnen-Orden beitreten wollte. Nach langer Suche entschieden sich die Karmelitinnen
für das Bauernhaus im Weinland, um hier einen Ort der Besinnung, Arbeit und Stille
einzurichten. Vor der ersten Hausbesichtigung hatten sie noch nie etwas von Humlikon
gehört: "Wir mussten zuerst auf dem Computer nachschauen, wo das überhaupt
liegt", erzählt Schwester Josefa.
Offen für Neues
Auf Computer haben die beiden Nonnen auch ihren ersten "Rundbrief" geschrieben -
mitsamt eingescanntem vierfarbigem Bild ihres neuen Zuhauses. "Es ist beeindruckend,
mit welcher Hilfsbereitschaft und Selbstverständlichkeit die Dorfbewohner Starthilfe
leisten", schreiben sie aus Humlikon ihren Freunden und Bekannten. Und: "Diese
Erfahrungen gehören zu den schönsten, die uns geschenkt sind.". Schwester Josefa
hat festgestellt, dass Schweizer im Gegensatz zu Österreichern zwar anfänglich eher
verschlossen sind, "doch wenn dann mal eine Tür aufgeht, dann kommt so viel Gutes
raus."
Mit derselben Offenheit, mit der sie empfangen wurden, wollen sie auch Gäste in ihrem
Haus empfangen. "Wer nur auf sein eigenes Seelenheil schaut, sperrt sich zu."
Zurzeit befinden sich Schwester Maranatha und Josefa noch in der Aufbauphase ihres
Klosters. Ab dem nächsten Jahr sollen Gäste Gelegenheit erhalten, in dem zum
Gästehäuschen umgebauten Speicher einzukehren und Stille zu erfahren. Und in einem
Klosterlädeli soll Selbstgemachtes verkauft werden.
Kirche im Umbruch
Schwester Maranatha ist 45, Schwester Josefa 41. Die beiden gehören einer Generation an,
die für eine Öffnung der Kirche und den Dialog eintritt. "Wir leben als Orden im
Übergang", sagt Josefa. Dieser Umbruch verbinde das mehrheitlich nach innen
gerichtete Klosterleben mit dem Dialog mit anderen Menschen und Glaubensrichtungen.
In dieser Hinsicht habe die Schweiz gegenüber Österreich einen Vorsprung: "Hier in
der Schweiz fand während Jahrhunderten eine Auseinandersetzung zwischen der reformierten
und der katholischen Kirche statt", sagt Schwester Josefa. Das habe in unserer Zeit
viel zum gegenseitigen Verständnis und zur Wandlungsbereitschaft beigetragen.
Wenn die beiden Karmelitinnen in Humlikon einkaufen gehen, tragen sie keine Ordenstracht,
sondern zivile Kleider. "Wir fühlen uns als Dorfbewohnerinnen", sagt Schwester
Josefa. Und dennoch sind sie anders als die meisten hier.
Offenheit und Stille
Rund sechs Stunden am Tag wenden die beiden Nonnen für Gebet und Gottesdienst auf.
"Im Zentrum steht das Gespräch mit Gott", erklärt Schwester Josefa und
präzisiert: "Das Leben ist ein Gespräch mit Gott: Er ist der Freund, der für uns
alle da ist."
Den täglichen Dialog, die Stille und die Einkehr bräuchten alle Menschen: "Wenn man
nicht verarbeiten kann, dann kommt man aus dem Lot." Und umgekehrt: "Die
konkrete Arbeit in Haushalt und Garten gehört zu unserem Leben." Ihre Erfahrungen
möchten die Frauen weitergeben. Im Gästehäuschen entsteht ein Ort der Stille, an dem
Menschen Ruhe finden und im Gespräch zu Gott Kraft schöpfen können.
Die Gebetszeiten, das Gemeinschaftsleben und die Arbeit bestimmen den Tag der beiden
Nonnen, der von morgens 6 bis abends 21 Uhr dauert. Im Moment sei es noch nicht möglich,
die vielen Aufgaben stets im geregelten Tagesablauf zu bewältigen. Doch vielleicht wird
die kleine Gemeinschaft an der Chlosterstrasse mit der Zeit noch wachsen. Die beiden
Schwestern hoffen, dass die eine oder andere Kollegin ebenfalls den Weg nach Humlikon
finden wird - mit oder ohne Hilfe des Computers.
| Weitere Infos zum Eliakloster in Humlikon finden Sie hier....... Stichwort: Karmeliterorden Der Karmeliterorden entstand im 9. Jahrhundert am Berg Karmel (heute in Israel). Ursprünglich lebten dort Einsiedler. Im 12. Jahrhundert baten sie den Patriarchen (Bischof) von Jerusalem um Ordensregeln, womit der Orden formell gegründet wurde. Im 13. Jahrhundert wurden die Ordensbrüder von den Sarazenen vertrieben und wichen nach Europa aus. Heute ist der Karmeliterorden der weltweit grösste Gebetsorden der katholischen Kirche. Er zählt rund 11 000 Ordensschwester und 3500 Ordensbrüder. |