Kehrichtsentsorung im Alleingang  

         
Humlikon verlässt die Kehrichtorganisation Weinland - aus Protest gegen die Neuvergabe des Transportauftrages.

Statt 21 Gemeinden aus dem Bezirk Andelfingen werden künftig nur noch 20 dem Zweckverband Kehrichtorganisation Weinland (Kewy) angehören. Ohne Gegenstimmen hat am Freitag die Humliker Gemeindeversammlung den vorbehaltlosen Austritt aus dem Verband beschlossen. Der Gemeinderat wird die Kündigung sofort einreichen. Zum Austritt hatte die SVP mit einer Einzelinitiative aufgefordert. Das Begehren wurde auch von der Behörde unterstützt.
Die «Solidaritäts-Kundegebung» freute Transportunternehmer Urs Berger. Er versprach, den Humliker Kehricht «sicher nicht teurer als die Kewy» abzuführen. Dass dies funktioniere, beweise er in der Gemeinde Rheinau, welche dem Zweckverband schon seit sechs Jahren nicht mehr angehöre. Berger war nach einem öffentlichen Submissionsverfahren von der Kewy-Betriebskommission im Mai nicht mehr als Transportunternehmer berücksichtigt worden. Dagegen hat er beim Verwaltungsgericht rekurriert.
Das hängige Gerichtsverfahren sorgt für einige Unsicherheiten. Die SVP hatte ihre Einzelinitiative «vorbehältlich des Entscheides des Verwaltungsgerichtes» eingereicht. Der Austritt war als letzter Schritt gedacht, falls es dem Gemeinderat nicht gelingen sollte, den Entscheid rückgängig zu machen. Dazu hatte der noch keine Gelegenheit. Die Kewy-Betriebskommission hat die Neuvergabe des Transportauftrages an die Firma Mühle AG in Neftenbach bis heute nicht von der Delegiertenversammlung absegnen lassen, obwohl Bergers Rekurs ohne aufschiebende Wirkung ist. Sie will den Entscheid des Verwaltungsgerichtes abwarten. Dieses dürfte nach Informationen des Humliker Gemeindepräsidenten Werner Röschli aber «dieses Jahr eher nicht mehr entscheiden».
Die Verzögerungen brachten Humlikon in Bedrängnis. Der Vertrag mit der Kewy kann nur auf Ende Jahr gekündigt werden. Also musste an der Gemeindeversammlung ein entsprechender Antrag gestellt werden, was nach einigen Diskussionen auch geschah. Trotzdem bleibt vorderhand unklar, wann Humlikon aus dem Zweckverband entlassen wird. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Jahre. Die Betriebskommission hat zwar signalisiert, einer sofortigen Entlassung nicht im Wege zu stehen, das letzte Wort hat aber die Delegiertenversammlung. Und dort, so Röschli, löst der Humliker Alleingang, der auch als Austritts-Aufforderung an andere Gemeinden zu verstehen ist, nicht nur eitle Freude aus.

Sparkurs gelockert

Oppositionslos folgten die 60 Stimmberechtigten den übrigen Anträgen von Gemeinderat und Primarschulpflege. So bewilligten sie einen Nachtragskredit von 4000 Franken für die Anpassung der EDV in der Verwaltung, 80000 Franken für die Belagssanierung der Bodenackerstrasse und 49000 Franken für die Projektierung von Werkleitungs- und Belagserneuerungen in Post- und Dorfstrasse.
«Wir haben den rigorosen Sparkurs der letzten Jahre etwas verlassen», meinte Röschli zum Budget 2001 der Politischen Gemeinde. Dieses sieht bei einem Aufwand von 1,665 Millionen ein Defizit von 53200 Franken und Nettoinvestitionen von 576300 Franken vor. Gedeckt werden die Mehraufwendungen durch einen um 43000 Franken höheren Anteil am Steuerkraftausgleich und einen unveränderten Steuerfuss von 43 Prozent. Das erlaubt neben 151000 Franken ordentlichen auch 61600 Franken ausserordentliche Abschreibungen.
Unverändert 61 Prozent beträgt auch der Steuerfuss der Primarschulgemeinde. Der Voranschlag sieht bei 847800 Franken Aufwand ein Defizit von 20400 Franken vor. Belastet wird das Budget durch 25000 Franken Lohnnachzahlungen für den Kindergarten, eine Folge der vor Bundesgericht erfolgreichen Lohnklage von Kindergärtnerinnen.
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