Gnadenfrist für den Dorfladen

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Gemeinde Humlikon trägt auch heuer 60 Prozent des Dorfladen-Defizites. Doch bevor die Gemeindeversammlung weitere Subventionen spricht, muss sich die Landi Henggart in die Bücher schauen lassen. ![]() «Wir wollen den Laden, aber nicht um jeden Preis!» Mit diesem Satz traf ein Stimmberechtigter am Montagabend die Stimmung im voll besetzten Gemeindesaal ziemlich genau. Schliesslich stimmte die Gemeindeversammlung nach ausführlicher Diskussion mit deutlicher Mehrheit dem Vorschlag von Gemeindepräsident Werner Röschli zu, den Defizitbeitrag für das Jahr 2001 zwar zuzusichern, das Thema aber in einem Jahr erneut auf die Traktandenliste zu setzen. Bis dann will der Gemeinderat Vertreter der Landi Henggart zu einem öffentlichen Informations- und Diskussionsabend über die Zukunft des Dorfladens einladen. Verlangt wird insbesondere mehr Transparenz. Verschiedene Votanten wünschten Auskunft darüber, «wie das Defizit entsteht», «weshalb der Umsatz dermassen schwankt», «was die Landi Henggart unternommen hat, um den Umsatz zu steigern» und «was sie in Zukunft anbietet, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können». Gefordert ist aber nicht nur die Landi Henggart. «Letztlich sind wir selbst zuständig für unseren Laden mit unserem Einkaufsverhalten», betonte der frühere Gemeindepräsident Reinhard Ganz. Defizit auf Rekordhöhe Für 1250 Franken mehr müsste jeder Haushalt pro Jahr einkaufen, um den Defizitbeitrag der Gemeinde überflüssig zu machen. Das scheint wenig, entspricht aber einer Umsatzsteigerung um mehr als 50 Prozent und widerspricht der Entwicklung in den letzten Jahren völlig. In den 80er Jahren lebten in Humlikon 310 Personen, das Ladendefizit belief sich auf rund 9000 Franken. Im vergangenen Jahr zählte die Gemeinde 419 potenzielle Konsumentinnen und Konsumenten, doch das Defizit erreichte die Rekordmarke von 32500 Franken. Während der Laden in Henggart 1583 Franken Umsatz pro Einwohner und Jahr erzielt, kommt die Humliker Filiale auf bloss 802 Franken. Seit dem Gemeindeversammlungsbeschluss vom 7. Dezember 1981 übernimmt die Gemeinde 60 Prozent des Ladendefizites. Für die restlichen 40 Prozent kommt die Landi Henggart auf. Die wachsenden Defizite veranlassten den Gemeinderat, den Defizitbeitrag «wieder einmal zur Diskussion zu stellen», wie Gemeindepräsident Röschli am Montag erklärte. Die Behörde tat dies nicht ganz freiwillig. Die auf breiter Front sinkenden Gemeindesteuerfüsse könnten nämlich schon bald dazu führen, dass Humlikon Steuerfussausgleich beziehen und sich dafür von der Abteilung Gemeindefinanzen der Direktion des Innern in die Bücher schauen lassen müsste. «Da würde ein Ladenbeitrag nicht toleriert. Wir müssten unseren Steuerfuss über den Maximalsatz anheben.» Im vergangenen Jahr hätte ein Zuschlag von immerhin 2,5 Steuerprozenten resultiert. Jahresrechnungen 2000 Die übrigen Traktanden gaben mit einer Ausnahme unter den 91 Stimmberechtigten weniger zu reden. Ohne Gegenstimmen nahm die Versammlung die Rechnungen von Hilfsfonds, Politischer und Primarschulgemeinde ab. Zum Hilfsfonds: Grosse Reparaturen führten zu einem hohen Rückschlag von 57000 Franken im Maschinenbetrieb, wodurch sich das Eigenkapital auf 447000 Franken reduzierte. Der nach der Flugzeugkatastrophe aus Spendengeldern geäufnete Fonds reduziert sich stetig, weshalb der Gemeinderat gemäss Gemeindepräsident Röschli das Kuratorium beauftragt hat zu prüfen, wie der Maschinenbetrieb längerfristig aufrechterhalten werden könnte. Ein geringerer Sachaufwand und höhere Steuereinnahmen reduzierten das Defizit der Politischen Gemeinde von budgetierten 99700 auf 2100 Franken. Auffallend dabei ist, dass mit Ausnahme der voraussichtlich erst ab 2003 schwarze Zahlen schreibenden Fernwärme die Werke weit gehend abgeschrieben sind. Das sind gute Voraussetzungen für die nun anstehenden Investitionen wie die Werkleitungssanierung in der Post- und Dorfstrasse, für welche die Versammlung einen Bruttokredit von 885000 Franken bewilligte. Die Rechnung der Primarschulgemeinde schloss mit einem Defizit von 1200 Franken praktisch ausgeglichen ab, wobei 30000 Franken zusätzlich abgeschrieben werden konnten. Die künftigen Schulrechnungen enthalten um knapp 8000 Franken höhere Behördenentschädigungen. So viel kostet die von der Versammlung deutlich bewilligte Anpassung. Am Zeitaufwand gemessen lägen auch die höheren Entgelte «noch immer im ehrenamtlichen Bereich», betonte Schulpräsidentin Edith Eggenberger, doch werde damit der «grosse Einsatz der Behördenmitglieder doch besser honoriert». Die Erhöhung der Ansätze sei massiv, wurde zwar kritisiert, die Versammlung war sich aber einig, dass die Belastung der Schulpflege in den letzten Jahren massiv zugenommen hat nicht nur wegen der von 12 (1991) auf voraussichtlich 50 (2003) steigenden Schülerzahlen. Kindergärtnerin entlassen Hitzigere Diskussionen löste die Entlassung von Kindergärtnerin Esther Gisler aus. Die Antwort auf eine in diesem Zusammenhang eingereichte Anfrage musste allerdings kurz und für die Fragesteller unbefriedigend ausfallen: Die Kindergärtnerin hat die Kündigung beim Bezirksrat angefochten, das Verfahren ist hängig. Ganz zu Beginn hatte die Versammlung die Abrechnung über den Einbau eines Behinderten-WC im Gemeindehaus diskussionslos abgenommen. Sie schloss mit knapp 3600 Franken Minderkosten, womit vom Legat Ernst Knöpfli aus dem Jahre 1991 noch 15000 Franken verbleiben. Aus dem Legat waren bereits ein Coiffeurstuhl für das Altersheim Rosengarten in Kleinandelfingen und der Behindertenlift im Gemeindehaus finanziert worden wertvolle Einrichtungen, so Gemeinderätin Marie-Jo Svensson, welche Benachteiligten das Leben in der Gemeinschaft erleichtern. >> Weitere Infos vom Dorfladen 16.05.2001 << >> Weitere Infos vom Dorfladen 29.11.2004 << |
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