Behinderten Kindern gerecht
werden 
| 25 Jahre Heilpadagogische Schule Behinderten Kindern gerecht werden Seit 25 Jahren werden an der Heilpädagogischen Schule Humlikon Kinder gefördert, die eine geistige Behinderung haben. Zum Jubiläum hat die Schule ihre Arbeit der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Anstoss, im Bezirk Andelfingen eine heilpädagogische Sonderschule aufzubauen, kam 1970, als Winterthur mitteilte, keine Weinländer Kinder mehr aufnehmen zu wollen. Entsprechend schnell musste eine Lösung gefunden werden. In einem Schulzimmer in Andelfingen wurde ein heilpädagogischer Kindergarten eingerichtet und schon bald eine Schule geführt. Bereits drei Jahre später konnte diese in den Zweckverband für den Schulpsychologischen Beratungsdienst integriert und damit eine solidarische Kostenaufteilung getroffen werden. Damals wurde auch der noch heute gültige Grundsatz verankert, dass alle behinderten Kinder des Bezirks unabhängig von der Art ihrer Behinderung aufgenommen werden. Mit den steigenden Schülerzahlen kam der Wunsch nach eigenen Räumen auf, ein Projektierungskredit wurde gutgeheissen und neben dem Primarschulhaus in Humlikon Bauland erworben. Vor 25 Jahren, im September 1978, konnte schliesslich das behindertengerecht gestaltete Schulhaus eingeweiht werden. Natürlich seien inzwischen die Schülerzahlen gestiegen, und die Anforderungen an die Lehrerschaft hätten sich verändert, räumte die Präsidentin des Zweckverbandes der Schulgemeinden im Bezirk Andelfingen, Anita Ulrich, in ihrem Rückblick am Montagabend ein. Ein Neubau wurde trotzdem nicht zum Thema; stattdessen konnten in der Humliker Schulanlage in den letzten Jahren verschiedene Räume, so im Keller, umgestaltet und umgenutzt werden. Einblick in den Schulalltag Die besten Glückwünsche zum Jubiläum überbrachte anlässlich des Öffentlichkeitsabends der Sonderschulberater der Bildungsdirektion, Pierre Derron. Er habe das Lehrerteam der Heilpädagogischen Schule Humlikon als äusserst engagiert und fachkompetent kennen gelernt, lobte er und gab einen kurzen Überblick über das Sonderschulwesen des Kantons Zürich. Einen lebendigen Eindruck vom Schulalltag der aktuell 46 Schülerinnen und Schüler vermittelte ein Film, in dem Englischlektionen ebenso zu sehen waren wie Therapiestunden im Bad oder vergnügtes Spielen in der Turnhalle. Dass vier Kinder im Regelkindergarten oder in der Regelschule integriert sind und während sieben Stunden pro Woche von einer Heilpädagogin begleitet werden, war von der Schulleiterin Agnes Strupler zu erfahren. Sie erwähnte die enge Zusammenarbeit der 52 Mitarbeitenden, die es ermögliche, flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Das Schulsystem erlaube klassenübergreifenden Unterricht oder «dass ein Kind auch einmal während des Jahres in eine andere Klasse übertreten kann, wenn dies nötig und sinnvoll ist», sagte sie. Als Grundlage der individuellen Förderung der Mädchen und Knaben im Alter von 4 bis 18 Jahren wird zu Beginn des Schuljahres ein Förderplan erstellt. Ein differenzierter Schulbericht gibt schliesslich Auskunft darüber, ob die formulierten Ziele erreicht wurden. Dass diese oft in sehr kleinen Schritten angegangen werden, wurde in den anschliessenden Referaten einiger Lehrkräfte deutlich. «Jedes Kind arbeitet seinen Fähigkeiten entsprechend und hat ein eigenes Programm», führte die Unterstufenlehrerin Rita Leuthold aus, die derzeit zusammen mit einer Praktikantin sechs Kinder unterrichtet. Wertvolle Sinneserfahrungen ermöglichen unter anderem ein Klangbett, der Bewegungsraum oder das eigene Therapiebad. Auf spielerische Art und Weise werden die Schüler auch in der Ergotherapie gefördert. Den Umgang mit Nahrungsmitteln und hauswirtschaftliche Tätigkeiten erlernen sie im Kochen, wo gelesene Rezepte direkt in Handlung umgesetzt werden können. Das gemeinsame Essen über den Mittag schafft zudem «grosse Vertrautheit» und gibt die Möglichkeit, «sich auf einer anderen Ebene kennen zu lernen», wie Pius Rinderer ausführte. Eine individuelle Betreuung ist hier ebenso nötig wie in den Pausen, in denen auch pflegerische Aufgaben wahrgenommen werden. Lebensfreude tanken Neben dem eingentlichen Unterricht haben die Schüler an drei Nachmittagen pro Woche die Möglichkeit zum Reiten, das sich offensichtlich grosser Beliebtheit erfreut. Im Umgang mit den Pferden lernen sie Ängste abzubauen und entwickeln Selbstbewusstsein sowie Lebensfreude. Die Schulung der Feinmotorik steht in der Handarbeit im Zentrum, während die Werkklasse, die mit einem Arbeitseinsatz ausserhalb der Schule verbunden ist, aufs spätere Berufsleben vorbereitet. In welch kind- und behindertengerechter Umgebung die Kinder in der Heilpädagogischen Schule Humlikon unterrichtet werden, konnten die zahlreichen Besucher der Jubiläumsveranstaltung bei einem gemeinsamen Apéro sehen. So konnten sämtliche Schul- und Therapieräume besichtigt und damit der Feststellung Ulrichs, «dass viele im Bezirk gar nicht wissen, wie unsere Heilpädagogische Schule aussieht», Abhilfe geschaffen werden. |
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