Spardruck unter Heimen

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| Bisher sei in seinem Haus in einem Rahmen gespart worden, der noch
vertretbar sei, sagte der Leiter des Langenegger-Hauses für behinderte Erwachsene, Igor
Bär, am Dienstagabend vor geladenen Gästen gegenüber der Moderatorin und Kantonsrätin
Nancy Bolleter. Weitere Ressourcen seien indessen nicht mehr vorhanden, weil unter anderem
zusätzliche Kosten durch die obligatorische Einführung des Qualitätsmanagements
entstanden seien. In Zukunft müsse der Bund bei seinen guten Reformabsichten eben auch
vermehrt an die finanziellen Konsequenzen denken. Laut Bär sind die erhöhten Kosten im
Sozialbereich nicht auf verbesserte Leistungen zurückzuführen, sondern einzig auf die
gestiegenen Zahlen der zu Betreuenden. Sein Haus, das Erwachsene mit schwerer geistiger
und körperlicher Behinderung aufnimmt, ist ausgelastet und entspricht mehr denn je einem
Bedürfnis. Sie hätten kürzlich einen Bewerber aufgenommen, der sich zuvor bei 40
verschiedenen Institutionen gemeldet habe und überall abgewiesen worden sei. Die auf Einladung der EVP Bezirkspartei ermöglichte Diskussion im Langenegger-Haus wurde durch den Winterthurer Kantonsrat Hans Fahrni eröffnet. Als Präsident des Vereins für Sozialpsychiatrie Region Winterthur weiss er nur zu gut, was der Bund mit «Kostenwachstum begrenzen» meint. Der lange Zeit bestehende Konsens «Integrieren statt ausgrenzen» gerate auch bei den psychisch Behinderten ins Bröckeln. Mit den gesenkten Steuern und der folgenden Sparhysterie würden die Auswirkungen nun spürbar, sagte Fahrni. Während die meisten Leistungen der IV fix seien und unangetastet blieben, sei es für den Bund möglich, gewisse Kollektivleistungen an Institutionen zu streichen oder zu reduzieren. Die ursprünglich vom Bund verlangten Einsparungen von 100 Millionen Franken seien zwar inzwischen auf 80 Millionen geschrumpft, entsprächen seiner Meinung nach aber immer noch einem «unanständigen Spiel». Der neu gestaltete Finanzausgleich sei noch nicht und ohnehin nur für Spezialisten durchschaubar. ![]() Auch Humlikon muss sparen Im Gegensatz zum Langenegger-Haus, das neben den 33 Tagesbeschäftigungsplätzen auch 14 Dauerwohnplätze anbietet, ist die Heilpädagogische Schule Humlikon nur für den Tagesunterricht, Mittagessen inbegriffen, zuständig. Auch bei ihnen sei die Nachfrage am Steigen, betonte Schulleiterin Agnes Strupler, seit es in den Volksschulen aus Spargründen immer weniger Kleinklassen für Schüler mit Defiziten gebe: «Statt Auffangbecken möchte ich uns aber lieber als Kompetenzzentrum sehen.» Die Tagesschule wird von 30 Gemeinden des Weinlands unterstützt und betreut gegenwärtig 54 Kinder zwischen 4 und 18 Jahren in neun Klassen. Der Betriebsbeitrag sei in Humlikon um 180 000 Franken gekürzt worden, was unter anderem mit grösseren Klassen und einem «allgemeinen Zusammenrutschen» aufgefangen worden sei. Heinz Jauch, Kantonsrat und Stadtpräsident von Dübendorf, nannte die Betreuung von Behinderten eine «vornehme Aufgabe der Gesellschaft», an der nicht gerüttelt werden dürfe. Gegenwärtig seien sie beim Werkheim Uster daran, die Gemeinden um Beiträge an eine Sanierung zu bitten. Er sei gespannt, was dabei herauskomme. Warum denn die Anzahl der so genannten «Scheininvaliden» so zugenommen habe, wollte jemand aus dem Publikum wissen. Das Problem bestehe darin, dass die Betriebe seit fünf Jahren nicht mehr gewillt seien, Leute mit Defiziten bei sich einzugliedern, wie das früher der Fall gewesen sei, sagte Fahrni. So kämen viel weniger IV-Rentner zurück ins Berufsleben, weil dort der Tarif einfach härter geworden sei. Bis eine Rente ausgezahlt werde, müssten sehr viele Abklärungen überstanden werden. Er glaube deshalb nicht, dass sich da viele reinschummeln könnten. Ausnahmen gebe es natürlich immer, die würden dann aufgebauscht. Steuersenkungen mitverantworten Ein weiterer Votant aus dem zahlreichen Publikum fand es in Ordnung, wenn die Sozialausgaben vom Bund mehr auf Kanton und Gemeinden abgewälzt würden. Da könnten dann Leute an der Basis entscheiden, die auch sähen, was mit dem Geld geschehe, so wie in Ossingen im Langenegger-Haus. Der Widerspruch liess nicht auf sich warten: Auf das Wissen und die Erfahrung der Profis bei Bund und Kanton könne unter keinen Umständen verzichtet werden. Zudem würde diese Lösung regionalen Ungerechtigkeiten Tür und Tor öffnen, meinte eine Frau. Zum Abschluss erinnerte die Bezirkspräsidentin der EVP, Margrit Wälti, daran, dass das Volk bei den am Anfang stehenden Steuersenkungen sehr wohl mitgeholfen habe, die Misere vorzubereiten: «Viele, die heute jammern, haben sich an der Urne mitschuldig gemacht.» |
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