Wir sind an den richtigen Ort gezogen  

In Humlikon haben sich Schwester Josefa und Schwester Maranatha gut eingelebt. Vor viereinhalb Jahren sind sie als Karmelitinnen ins Weinländer Dorf gekommen, vom Orden haben sie sich inzwischen aber gelöst.

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Schwester Josefa und Schwester
Maranatha nicht in Ordenstracht,
sondern in Alltagskleidern vor dem
Eliakloster in Humlikon.


«Wir haben einen Weg zurückgelegt», berichtet Schwester Josefa. Zusammen mit Schwester Maranatha ist sie im September 2000 in ein altes Bauernhaus in Humlikon gezogen. Vor drei Jahren haben sich die zwei Karmelitinnen aus Innsbruck allerdings von ihrem Orden gelöst und sind eigenständig geworden. «Wir haben uns mehr für das Leben der Menschen geöffnet», erklärt Schwester Maranatha. In die Stille zu gehen, sei zwar nach wie vor sehr wichtig, um im Dialog mit Gott zu stehen und Kraft zu gewinnen, die Zurückgezogenheit nehme in ihrem Alltag aber nicht mehr so viel Raum ein wie früher. «Wir möchten anderen einen Ort bieten, an dem sie zur Ruhe kommen können», betonen die beiden Frauen. Im Gästehaus nehmen sie Menschen auf, die sich neu orientieren oder einfach einmal eine Auszeit aus dem Alltag nehmen möchten. «Unsere Gäste müssen mit der Stille umgehen können – wir bieten kein Programm», sagt Schwester Josefa und Schwester Maranatha ergänzt, dass auch Menschen anderer Konfessionen oder ohne kirchlichen Hintergrund willkommen seien. Es gehe nicht darum, jemanden zu bekehren. «Jeder Mensch ist fähig, in seinem Herzen die Stimme Gottes zu hören», ist sie jedoch überzeugt. Die Verbundenheit mit dem Ewigen sei in jedem drin und gelange gerade in Momenten der Stille zum Vorschein. Ihr Engagement für den Einzelnen sei als Antwort auf die Zeit zu sehen. «Der Globalisierung muss der einzelne Mensch gegenüberstehen, er muss sich seiner Würde wieder bewusst werden».

Offen für andere Religionen
Wer im Gästehaus zu Besuch ist, kann am nachmittäglichen stillen Gebet im Kloster teilnehmen. Der Gebetsraum, der im stattlichen Riegelhaus vor zwei Jahren eingerichtet und vom Obwaldner Künstler Alois Spichtig gestaltet worden ist, steht allen Interessierten offen. Auch hier wird deutlich, dass sich die Schwestern anderen Religionen nicht verschliessen. So finden sich im hellen Raum auch nicht christliche religiöse Symbole. «Wir wollen damit ein Zeichen setzen», erklären die zwei Frauen. Für sie seien die Gebetsstunden Angelpunkte. Mit Gott seien sie aber auch bei den alltäglichen Tätigkeiten im Haus und im Garten verbunden. Die Gäste bleiben in der Regel einige Tage oder Wochen. In Einzelfällen können Frauen über eine längere Zeit im Eliakloster leben.
«Wir wollen keinen neuen Orden gründen», sagt Schwester Josefa. Sie hätten sich schlicht für eine neue Lebensform auf privater Basis entschieden. Die Wurzeln seien jedoch dieselben geblieben. Ihr Tagesablauf habe sich bereits durch den Umzug in die Schweiz vereinfacht. Nach dem Austritt aus dem Orden sei er jetzt noch weniger stark strukturiert. Nur zu zweit in einer religiösen Gemeinschaft zusammenzuleben, sei schon etwas speziell und zuweilen schwierig. Sie hätten jedoch gelernt, offen miteinander zu sprechen und einander Freiräume zu lassen. «Wir streiten über Kleinigkeiten, in den wesentlichen Fragen, sind wir uns einig», stellt Schwester Maranatha fest. Dass sie sich nicht mehr als Karmelitinnen verstehen, ist den Frauen auch äusserlich anzusehen. So tragen sie nur noch Alltagskleider und verzichten auf die Ordenstracht.

Stets auf der Suche
Ihre Veränderung definieren sie als «ein Weitergehen und nicht als ein Weggehen». «Wir sind stets auf der Suche und lernen immer wieder neu, hinzuhören und mit den Menschen verbunden zu sein», sagen sie. Ihre Gemeinschaft haben sie nach dem Propheten Elia benannt, da sie ihn als einen Menschen verstehen, der durch Höhen und Tiefen gegangen ist.
In Humlikon fühlen sie sich sehr wohl. «Wir sind von Anfang an positiv aufgenommen worden und pflegen freundschaftliche Kontakte», erzählen sie. Um manche Dinge bräuchten sie sich gar nicht zu kümmern. Von einem Kreis von Freunden werden sie nicht nur ideell, sondern auch finanziell unterstützt. Ansonsten leben sie von den Einnahmen des Gästehauses, für das keine fixen Tarife gelten. Es sei sicherlich kein Zufall, dass sie in ein Dorf mit einem derartigen Schicksal gekommen seien, sagen sie und sprechen damit den Flugzeugabsturz von 1963 in Dürrenäsch an. Damals waren 43 Dorfbewohner ums Leben gekommen. Heute sei der Ort von einer friedvollen Atmosphäre geprägt, was auch die Gäste spürten. «Wir haben das Gefühl, mit der richtigen Aufgabe am richtigen Ort zu sein», betonen die zwei Schwestern vom Eliakloster.

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