Wappen von Schaffhausen     Rheinfall als Reinfall ?   Wappen von Zürich

          Der Rheinfall, grösste Wasserfälle Europas ! Führt normalerweise um die 700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde !   Rheinfall / Reinfall, statt 700 Kubikmeter pro Sekunde, heute am 4.Februar 2006 fast kein Wasser........

Rheinfall zurzeit besonders gefragt

Seit Jahren wird am Rheinfall geklagt, dass der grösste Wasserfall Europas weniger Touristen anlockt. Nun kommt die Natur den Touristikern zu Hilfe: Ungewohnt viele Besucher für den Winter kommen, weil sie den Rheinfall mit extrem wenig Wasser sehen wollen.

Ein verregneter Mittwochnachmittag im Februar: Eigentlich würde man kaum Touristen am Rheinfall vermuten. Es sind aber gut zwei Dutzend dort. Werner Huggel kam gestern vom Zürichsee an den Rheinfall in Neuhausen - weil der zurzeit so wenig Wasser führt. Auch Fredi Schwab reiste - mit einem Kollegen und zwei Kindern im Schlepptau - aus demselben Grund aus dem Zürcher Weinland an. Er wurde durch einen Fernsehbeitrag auf das seltene «Schauspiel» aufmerksam. Ein Paradoxon: Der Rheinfall präsentiert sich so wenig imposant wie selten und gewinnt an Anziehungskraft. Der Rheinfall als Reinfall wird sozusagen zum attraktiven Sonderfall.

«Am vergangenen Sonntag schauten allein 600 Touristen bei uns im Informationszentrum vorbei», sagt Christian Niederer von Schaffhausen Tourismus und Leiter Info Shop. «Und längst nicht alle kommen zu uns rein.» Zum Vergleich: An einem Sonntag im Sommer betreten rund 2000 Touristen den Info-Pavillon. «Dann sind vielleicht 5000 oder 6000 Touristen vor Ort», schätzt Niederer.

Einmaliger Anblick

Seit dem 11. Mai existiert der neue Info-Pavillon auf Neuhauser Rheinseite. «Seit über zehn Jahren wird geklagt, dass weniger Touristen hierher kommen», sagt Niederer. Zudem würden die meisten nicht lange verweilen. «Dabei sind wir die touristische Hauptattraktion in der Schweiz», sagt er und zückt eine Rangliste der «Sonntags Zeitung», die vor etwa drei Jahre erschien. Der Rheinfall liegt mit 1,8 Millionen Besuchern jährlich deutlich an der Spitze, gefolgt vom Zoo Basel (1,4 Millionen) und dem Zoo Zürich (1,2 Millionen). Nun kommt die Natur ausgerechnet im unwirtlichen Winter den Touristikern zu Hilfe, mit einem einmaligen Anblick. «Ich habe das noch nie erlebt», sagt Werner Mändli. Er muss es wissen: In der vierten Generation betreibt er den Fährdienst am Rheinfall. Bislang konnte er am Aussichtsfelsen noch nicht anlegen, was aber nichts mit dem extrem tiefen Wasserstand zu tun hatte. «Bis jetzt war es zu eisig auf dem Felsen.»

Im Durchschnitt stürzen 700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Felsen. Gestern waren es nur noch 136 Kubikmeter pro Sekunde. Eine Tafel am Rhein nennt als Minimum 95 Kubikmeter pro Sekunde im Jahr 1921.
Auch das Kraftwerk in Schaffhausen bekommt den niedrigen Wasserstand des Bodensees zu spüren. «Normalerweise läuft um diese Jahreszeit eine Turbine voll, nun leistet sie nur noch 60 Prozent», sagte gestern Guido Eggli, stellvertretender Geschäftsleiter der Kraftwerkanlagen Schaffhausen. Der Strom, der im Kraftwerk Schaffhausen gewonnen wird, geht zu 54 Prozent an die Stadt Schaffhausen, zu 36 an die NOK (Kantone Zürich und Thurgau) und zu 9 Prozent an die Badenwerke. «Das wird nach Rheinuferanteilen berechnet», erklärt Eggli. «Entscheidend ist zurzeit für uns, was in den Bodensee reinläuft. In gewisser Weise sind wir von den Kollegen im Bündnerland abhängig.» Doch auch die Stauseen in den Alpen führten zurzeit wenig Wasser. Als das Kraftwerk in den 60er-Jahren gebaut wurde, sei auch der Rhein an der Stelle ausgebaggert worden. Das ergebe einen schnelleren Abfluss, was die «alten» Abflussdaten mit den heutigen nur bedingt vergleichbar mache. Und seit es das Kraftwerk gibt, gibt es auch einen Rückstaubereich. Der verlängere sich bei Niedrigwasser: Zurzeit reicht er über die Diessenhofener Brücke hinaus, bei Hochwasser nur bis zum Katharinental.

Erinnerungstafel nicht trockenen Fusses zu erreichen

Mitten im Rheinfall steht eine Erinnerungstafel mit den Jahreszahlen 1880 und 1963 darauf. Werner Mändli, der in vierter Generation den Fährdienst am Rheinfall betreibt, weiss, was es damit auf sich hat. Im Jahr 1880 habe man diese Stelle trockenen Fusses erreichen können. Im Jahr 1963 sei der Rhein derart zugefroren gewesen, dass man diese Stelle ebenfalls wieder zu Fuss habe begehen können. Doch trotz extrem niedrigen Wasserstandes war es in diesem Jahr nicht möglich, ein 2006 anzufügen. Das muss nicht zwangsläufig heissen, dass 1880 der Wasserstand niedriger war - der Wasserfall gräbt sich neue Wege und das Kraftwerk oberhalb trägt ebenfalls zu einer veränderten Situation bei.

Hier können Sie viele Bilder vom Rheinfall sehen

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