Poststelle 8457 Humlikon schliesst im Herbst 2006

 Altes Schulhaus und Post Humlikon bis 2006  Heidi und Theo Flacher, Posthalter Humlikon  Eingang Post Humlikon, früher altes Schulhaus.

Seit 73 Jahren wird die Post stelle Humlikon von der gleichen Familie Flacher betreut.
Ende Oktober ist nun leider schon Schluss.
In Zukunft werden die 440 Einwohner «postalisch» von Henggart aus versorgt.


Der Tag, da das Postbüro zum letzten Mal geöffnet sein wird, steht heute leider schon fest. Sicher ist: Der Posthalter Theodor

Flacher und seine Ehefrau Heidi werden Ende November pensioniert. «Und weil die beiden noch Ferien zugute haben und
Überstunden kompensieren können, werden wir Ende Oktober schliessen», sagt Klaus Köpfli, in der Schweizerischen Post
Leiter des Marktgebietes Winterthur.

Theodor Flacher hatte die Posthalterstelle unter tragischen Umständen angetreten: Sein Vater, der den gleichen Vornamen trug und seit 1933 als Posthalter amtierte, war unter den 43 Humlikern, die beim Flugzeugab sturz vom 4. September 1963 in Dürrenäsch ums Leben kamen. Anfänglich versah der junge Mann den Postdienst zusammen mit seiner Mutter (und betreut durch die Kreispostdirektion) – bis er auf den 1. April 1964, kaum 20 Jahre alt geworden, zum neuen Stellenleiter gewählt wurde. Heidi Flacher, aus Welsikon stammend, steht ihrem Mann im Postbüro mittlerweile seit 40 Jahren zur Seite.
Das Postbüro war anfänglich eine 17 Quadratmeter grosse Nebenkammer im Bauernhof der Familie. «Da war der Platz schon sehr knapp», erinnert sich Heidi Flacher. Am 1. Februar 1993 konnte man neue, sicherere Diensträume beziehen – im ehemaligen Dorfschulhaus, das im Hinblick auf die neue Nutzung für 1,2 Millionen Franken umgebaut worden war. Eine Betriebsinspektion in jenem Jahr ergab 118 Haushaltungen. Mit dem gleichen Zeitaufwand wie damals – 4 Stunden 40 Minuten – hat Theodor Flacher auf seiner Zustelltour heute 180 Haushaltungen zu bedienen. Den Bauernhof wird das Ehepaar weiterhin führen: «Deshalb wird es uns im so genannten Ruhestand sicher nicht langweilig.»

Nach der Schliessung des Postbüros wird Humlikon im Hausservice von Henggart aus versorgt. Hausservice bedeutet: Man signalisiert dem Pöstler mit einem kleinen Schild am Briefkasten, dass man ein Postgeschäft tätigen möchte. Der Pöstler läutet,
und man gibt ihm Briefe und Pakete mit, bezieht Briefmarken,
wickelt Ein- und Auszahlungen ab.

Gebäude neu nutzen


Und was geschieht inskünftig mit dem ehemaligen Dorfschulhaus, auf dem noch immer ein Glockentürmchen thront? Über die Nutzung des Erdgeschosses schloss die Humliker Primarschulpflege im Jahr 1992 mit den PTT (wie die schweizerische Post damals noch hiess) einen Mietvertrag über 20 Jahre ab. In diesem verpflichtet sich die Post, die Räumlichkeiten dereinst wieder in ihren früheren Zustand (das heisst als Schulzimmer) zu versetzen. Laut Sandra Zindel, Mitglied (und neue Präsidentin) der Humliker Primarschulpflege, hat sich die Post noch nicht gemeldet. Sandra Zindel kann sich aber vorstellen, dass die Schulpflege Hand zu einer vorzeitigen Vertragsauflösung bieten könnte: «Sobald sich eine Neunutzung abzeichnet.»
Dabei steht die Heilpädagogische Sonderschule (HPS) im Vordergrund. Laut Anita Ulrich, der Präsidentin des Schulzweckverbandes Bezirk Andelfingen, der die HPS betreibt, «käme diese Lösung sehr gelegen». Der Platz im eigenen Schulhaus in Humlikon ist knapp geworden. Seit einem halben Jahr mietet der Zweckverband zusätzlich die ehemalige Lehrerwohnung über dem Postbüro, damit hier eine Klasse der HPS betreut werden kann. «Um auch das Erdgeschoss zu nutzen, müssen wir allerdings noch verschiedene Abklärungen treffen», sagt Anita Ulrich, «so müssen wir die Kostenfrage genau prüfen, zudem müsste uns die kantonale Bildungsdirektion ihren Segen geben.


Weitere Infos folgen.....

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