Seit 73 Jahren wird die Post stelle Humlikon
von der gleichen Familie Flacher betreut.
Ende Oktober ist nun leider schon Schluss.
In Zukunft werden die 440 Einwohner «postalisch» von Henggart aus versorgt.
Der Tag, da das Postbüro zum letzten Mal geöffnet sein wird, steht heute leider schon
fest. Sicher ist: Der Posthalter Theodor
Flacher und seine Ehefrau Heidi werden Ende November pensioniert. «Und weil die
beiden noch Ferien zugute haben und
Überstunden kompensieren können, werden wir Ende Oktober schliessen», sagt Klaus
Köpfli, in der Schweizerischen Post
Leiter des Marktgebietes Winterthur.
Theodor Flacher hatte die Posthalterstelle unter tragischen Umständen angetreten:
Sein Vater, der den gleichen Vornamen trug und seit 1933 als Posthalter amtierte, war
unter den 43 Humlikern, die beim Flugzeugab sturz vom 4.
September 1963 in Dürrenäsch ums Leben kamen. Anfänglich versah der junge Mann den
Postdienst zusammen mit seiner Mutter (und betreut durch die Kreispostdirektion)
bis er auf den 1. April 1964, kaum 20 Jahre alt geworden, zum neuen Stellenleiter gewählt
wurde. Heidi Flacher, aus Welsikon stammend, steht ihrem Mann im Postbüro mittlerweile
seit 40 Jahren zur Seite.
Das Postbüro war anfänglich eine 17 Quadratmeter grosse
Nebenkammer im Bauernhof der Familie. «Da war der Platz schon sehr knapp», erinnert sich
Heidi Flacher. Am 1. Februar 1993 konnte man neue, sicherere Diensträume beziehen
im ehemaligen Dorfschulhaus, das im Hinblick auf die neue Nutzung für 1,2 Millionen
Franken umgebaut worden war. Eine Betriebsinspektion in jenem Jahr ergab 118
Haushaltungen. Mit dem gleichen Zeitaufwand wie damals 4 Stunden 40 Minuten
hat Theodor Flacher auf seiner Zustelltour heute 180 Haushaltungen zu bedienen. Den
Bauernhof wird das Ehepaar weiterhin führen: «Deshalb wird es uns im so genannten
Ruhestand sicher nicht langweilig.»
Nach der Schliessung des Postbüros wird Humlikon im Hausservice von Henggart aus
versorgt. Hausservice bedeutet: Man signalisiert dem Pöstler mit einem kleinen Schild am
Briefkasten, dass man ein Postgeschäft tätigen möchte. Der Pöstler läutet,
und man gibt ihm Briefe und Pakete mit, bezieht Briefmarken, wickelt Ein- und Auszahlungen ab.
Gebäude neu nutzen
Und was geschieht inskünftig mit dem ehemaligen Dorfschulhaus,
auf dem noch immer ein Glockentürmchen thront? Über die Nutzung des Erdgeschosses
schloss die Humliker Primarschulpflege im Jahr 1992 mit den PTT (wie die schweizerische
Post damals noch hiess) einen Mietvertrag über 20 Jahre ab. In diesem verpflichtet sich
die Post, die Räumlichkeiten dereinst wieder in ihren früheren Zustand (das heisst als
Schulzimmer) zu versetzen. Laut Sandra Zindel, Mitglied (und neue Präsidentin) der
Humliker Primarschulpflege, hat sich die Post noch nicht gemeldet. Sandra Zindel kann sich
aber vorstellen, dass die Schulpflege Hand zu einer vorzeitigen Vertragsauflösung bieten
könnte: «Sobald sich eine Neunutzung abzeichnet.»
Dabei steht die Heilpädagogische Sonderschule (HPS) im
Vordergrund. Laut Anita Ulrich, der Präsidentin des Schulzweckverbandes Bezirk
Andelfingen, der die HPS betreibt, «käme diese Lösung sehr gelegen». Der Platz im
eigenen Schulhaus in Humlikon ist knapp geworden. Seit einem halben Jahr mietet der
Zweckverband zusätzlich die ehemalige Lehrerwohnung über dem Postbüro, damit hier eine
Klasse der HPS betreut werden kann. «Um auch das Erdgeschoss zu nutzen, müssen wir
allerdings noch verschiedene Abklärungen treffen», sagt Anita Ulrich, «so müssen wir
die Kostenfrage genau prüfen, zudem müsste uns die kantonale Bildungsdirektion ihren
Segen geben.
Weitere Infos folgen.....