Die Hitze ist genau das Richtige für
Beduinen und Tuaregs: Elf Kinder lebten diesen Sommer in Humlikon eine
Woche zwischen Wüstensturm, Wunder lampe und Zauberteppich.
Die elf Mädchen und Burschen verschiedenster Altersstufen im
Wüstencamp eingangs Humlikon pendeln am Mittwoch zwischen zwei Wüstenwelten hin und her:
Mal sind sie Nomaden, die sich im Märchenzelt Geschichten von Schlangenbeschörern,
Gewürzhändlern und Silberschmieden anhören. Mal kreieren sie fast lebensgrosse
Stabfiguren aus der Welt der andern Seite, der herrschenden Sultane.
Nomaden und Sultane
Dort brennt die Wunderlampe und locken Zauberteppiche aus 1001
Nacht. Sowohl die Lampe wie die Teppiche werden im Verlauf der Woche von Hand selber
gefertigt. Das ist längst nicht alles, die Gruppe lernt auch in der Karawanserei den
Brauch des heissen Pfefferminztees und im Umgang mit dem Brunnen den Wert des Wassers
unter besonderen klimatischen Bedingungen kennen.
53 Kurse haben die beiden Hettlinger Organisatorinnen Gabriella
Flotron und Marianne Küpfer unter dem Patronat des Elterntreffs im Juni für die zu Hause
gebliebenen Kinder ausgeschrieben. Mehr als 30 davon mit total gut 150 Kindern vom
Vierjährigen bis zum Oberstufenschüler sind zu Stande gekommen und wer den im Verlauf der fünfwöchigen Schulferien durchgeführt. Die Kosten
werden durch möglichst tief angesetzte Gebühren gedeckt im Normalfall unter 10
Franken pro Stunde.
Am grossen Werktisch werden Teppichbänder auf die Pappmeharis
montiert. «Je reicher das Band geschmückt ist, desto lieber hat die Frau ihren Mann»,
erklärt die Religionslehrerin Maria Angele. Sie unterstützt zusammen mit der angehenden
Lehrerin Bigna Zollinger die Sozialpädagogin und Kunstgewerblerin Ruth Aebersold, welche
die elfköpfige Schar eine ganze Woche lang leitet und ähnliche Aktivitäten seit einigen
Jahren auch privat anbietet.
Auf ins Wadi Thur
Vor der Essenszeit waren Beeren und Gurken im Familiengarten
abzulesen für den Mittagstisch. Zum Wochenprogramm im Camp gehören weiter das Reiten auf
dem benachbarten Hof und der Besuch eines Wadis. Jenes wird an der Thur gefunden werden,
wo heisse Geröllpartien das teils ausgetrocknete Flusstal darstellen. Ganzheitliches
Leben sollen die Kinder erfahren. Elementares wieder erleben und lernen, auf einander
einzugehen, sagt Ruth Aebersold.
Auch das Zuhören müsse teils wieder geübt werden. Zum Glück
spiele das Wetter mit. Vermisst der sieben jährige Erol
denn die Badi gar nicht? «Morgen gehts ja an die Thur, und gestern sind wir mit
dem Schlauch abgespritzt worden», gibt er zur Antwort. Am Freitagabend findet zum Schluss
ein Fest in der Wüste mit den Eltern statt. Im Beduinenzelt, auf dem Souk (Markt) und im
Sultanspalast warten Überraschungen auf die Gäste. Schliesslich wird die Karawane mit
ihren geheimnisvollen Lampen nach Hause ziehen.