Teils Misstrauen, teils Hochachtung  

         
43 Jahre nach der Flugzeugkatastrophe in Dürrenäsch wird der Hilfsfonds Humlikon aufgelöst:

Der Maschinenbetrieb wird privatisiert, das Geld kommt in eine Stiftung.
Paul Freimüller jun. und Daniel Ganz, die sich bereit erklärt hatten, zusammen eine Firma zu gründen, um den Maschinenbetrieb weiterzuführen, bekamen an der Gemeindeversammlung vom Montagabend höchst unterschiedliche Worte zu hören: Einerseits mussten die beiden ein gewisses Misstrauen spüren: Was, wenn ihr den vereinbarten Mietzins für das Werkgebäude nicht oder nicht mehr bezahlt? Was, wenn ihr die Traktoren und Mähdrescher, die Ballenpressen und Sämaschinen verkommen lasst? Anderseits begegneten ihnen etliche der 47 zur Versammlung erschienenen Stimmberechtigten mit Hochachtung: Bravo, dass ihr den Betrieb, der bisher immer defizitär war, weiterführen wollt! Bravo, dass ihr das Risiko eingeht !

Um nicht in die roten Zahlen zu kommen, müssen Freimüller und Ganz, bevor sie selber auch nur einen Rappen verdienen, im Jahr 48 000 Franken einnehmen. Denn die Monatsmiete für das Werkgebäude beträgt 1000 Franken, und die Maschinen erwerben sie in fünf Jahresraten zu 36 000 Franken in ihr Eigentum. Um ihre Firma Lomec rentabel zu gestalten, werden Freimüller und Ganz die Maschinen auch Bauern ausserhalb des Dorfs vermieten.

Die Maschinengemeinschaft hat ihren Ursprung in der Flugzeugkatastrophe vom 4. September 1963. Beim Absturz einer Swissair-Caravelle bei Dürrenäsch AG verloren 43 Humlikerinnen und Humliker, die in der Nähe von Genf eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt besichtigen wollten, ihr Leben. Die unverzüglich gestarteten Hilfsmassnahmen ermöglichten die Bildung eins Fonds. Mit einem Teil des Geldes wurden Maschinen angeschafft, so dass die Feldarbeiten in den betroffenen Bauernbetrieben mit weniger Arbeitskräften ausgeführt werden konnten.

Immer weniger Höfe

Gab es damals in der Gemeinde Humlikon noch 22 Bauernhöfe, sind es heute nur noch drei Voll- und ein halbes Dutzend Teilerwerbsbetriebe. Die strukturelle Veränderung ist einer der Gründe, die den Gemeinderat bewogen haben, für den Hilfsfonds eine neue Lösung zu suchen. Andere sind, wie Gemeindepräsident Heinz Vogt ausführte, die bevorstehende Pensionierung des Maschinenwarts, die Tatsache, dass die «Zielgrösse» des Fonds (zwanzig Jahre, also bis 1983) längst überschritten ist, und schliesslich die Überlegung, «ob die Gemeinde etwas tun muss, das auch Private machen können».

Die neue Lösung (Vermietung des Werkgebäudes, Verkauf der Maschinen, Gründung einer Stiftung für die Verwaltung des Vermögens) wurde von der Gemeindeversammlung nach längeren Diskussionen einstimmig genehmigt. Den Stiftungsrat bilden die beiden Gemeinderäte Heinz Vogt und Werner Schenk, Gemeindeschreiber Stephan Tschachtli (diese drei, wie in der Stiftungsurkunde vorgesehen, als Vertreter der «öffentlichen Hand»), Pascale Haas, Beat Läderach und Werner Röschli.

Das Geld aufbrauchen

Die Stiftung untersteht der Aufsicht des Gemeinderats (und nicht des Bezirksrats, wegen der Kosten). Mit dem Vermögen sollen Projekte der Gemeinde in den Bereichen Natur, Landschaft und Kultur unterstützt werden. «Die Stiftung ist nicht auf die Ewigkeit ausgerichtet, das Geld darf durchaus aufgebraucht werden», sagte Vogt. Das Vermögen der Stiftung ist beträchtlich: 280 000 Franken «cash», die Maschinen (die, wie erwähnt, für 180 000 Franken verkauft werden können), die 1019 Quadratmeter grosse Parzelle mit dem Werkgebäude (Verkehrswert gegenwärtig 300 000 Franken). Für die Instandstellung des Gebäudes wird die Stiftung jetzt noch 83 000 Franken bezahlen, nachher muss die Firma, die Paul Freimüller und Daniel Ganz morgen gründen werden, für alle Unterhaltsarbeiten aufkommen.



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