Postschliessung Humlikon  

         
Und wieder schliesst eine Poststelle
Der Flugzeugabsturz von 1963 hatte zur Folge, dass Theo Flacher Posthalter in
Humlikon wurde. Am Samstag den 28.10.2006 war es so weit, dass die Poststelle
für immer geschlossen wird.
«Der Abschied fällt mir nicht leicht», DRS 3  Nachrichten über Postumbau.......   sagt Theo Flacher, «denn ich hänge sehr an dieser Post.» Wenigstens bekommt der langjährige Posthalter, auch wenn sein Büro am Samstag 28.10.06 definitiv geschlossen wurde, noch Gelegenheit, seinen Abschied etwas hinauszuzögern: Im Monat November wird er die Humliker Bevölkerung im so genannten Hausservice von der Post Henggart aus bedienen. Ab Dezember wird diesen Dienst dann Ruth Meier übernehmen, die in Humlikon wohnt und schon bisher als Aushilfe in Alten tätig ist.

Dass Theo Flacher Posthalter geworden ist, hat seinen Grund – wie das Schicksal auch viele andere Humliker Familien geprägt hat – im Flugzeugabsturz vom 4. September 1963 in Dürrenäsch: Unter den 43 Todesopfern aus dem Weinländer Dorf war auch sein Vater. Theo Flacher senior, geboren 1901, war 1933 zum neuen Humliker Posthalter gewählt worden. Nach der Tragödie betreute – mit Begleitung der Kreispostkontrolle – vorerst seine Ehefrau das Humliker Postbüro, wobei auch der damals 20-jährige Theo Flacher junior mithalf. Die Kreispostdirektion wählte den Sohn dann auf den 1. April 1964 zum neuen Stellenleiter.

Angesichts der Lücken, die der Flugzeugabsturz in die gut funktionierende Dorfgemeinschaft gerissen hatte, waren junge, zupackende Leute an allen Fronten gefragt. So wirkte denn Theo Flacher nicht nur 16 Jahre in der Primarschulpflege mit, zwölf Jahre davon als Präsident – er versah im Laufe der Zeit eine grosse Zahl von Ämtern, sei es in der Forstwirtschaft, sei es im Brennereiwesen. Heute ist er noch kantonaler Geschworener – und er würde sich freuen, wenn er wieder einmal in einem Gerichtsfall mitwirken könnte.

Zu wenig rentabel

Dass die Tage der Humliker Post gezählt sein würden, wurde spätestens im Jahr 2001 klar, als die Schweizerische Post die Liste veröffentlichte, auf der die nicht rentierenden Poststellen aufgeführt waren. Während insbesondere im Weinland schon bald etliche Poststellen zu gingen, konnte Theo Flacher – und mit ihm ganz Humlikon – von der «Altersgarantie» profitieren: Wie in Berg am Irchel (Alfred Schneider) und in Oerlingen (Otto von Wyl) wartete die Schweizerische Post auch in Humlikon, bis der Posthalter das Pensionierungsalter erreicht oder wenigstens nahezu erreicht hat. Was jetzt bei Theo Flacher und seiner Frau Heidi der Fall ist. Heidi Flacher war auf den 1. Dezember 1966 als Mitarbeiterin fürs Postbüro Humlikon gewählt worden. Während sie ein Drittelpensum hat, entfallen vom Vollpensum ihres Mannes je 50 Prozent auf den Zustell- und den Bürodienst.

Auch wenn Theo Flacher der Abschied von seiner Post schwer fallen wird: «Ich werde nicht in ein Loch fallen.» Er wird weiterhin seinen Bauernbetrieb bewirtschaften, sich mehr Zeit für einen blinden Menschen nehmen, den er in einem Zürcher Heim betreut, mit seiner Frau «einige schöne Ecken der Schweiz anschauen» und zudem all jene Bekannten besuchen, mit denen man irgendwann einmal vereinbart hatte, den Kontakt weiter zu pflegen. «Auch werde ich mir hie und da erlauben, Nein zu sagen, um nicht immer völlig ausgebucht zu sein», sagt Flacher.

Mietvertrag läuft noch

Was geschieht in Zukunft mit dem Postbüro, das sich seit 1993 im Erdgeschoss des Alten Schulhauses befindet? Das Gebäude ist nach wie vor im Besitz der Primarschulgemeinde Humlikon. Die Primarschulpflege schloss mit der Schweizerischen Post 1993 einen Mietvertrag über 20 Jahre ab. Die Post wird einen Kompromiss vorschlagen, um früher «aussteigen» zu können. Laut Sandra Zindel, der Präsidentin der Schulpflege, werden im November Verhandlungen mit den Post-Verantwortlichen stattfinden: «Zurzeit ist noch alles offen.» Denkbar ist, dass die Heilpädagogische Sonderschule Humlikon, die in Miete bereits das Obergeschoss des Alten Schulhauses nutzt, auch noch für das Erdgeschoss Interesse anmelden wird.

 

Weitere Links zu diesem Thema:

>>>  eine Postgeschichte oder eine Geschichte der Post.....

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