Vom Wasser haben wir's gelernt
Naturkunde
hiess das Fach in der 4 oder 5 Klasse in der wir über den Lauf des
Wassers belehrt wurden. Die Quelle, die das wichtige Nass aus dem Boden sprudeln
lässt, beflügelte die Fantasie zu allen Zeiten. Naturgemäss suchten auch unsere Ahnen
an der Nordseite des Bergholzes nach diesem wichtigen Element ohne dies kein Leben
keimt. In der sogenannten Wanne wurden sie fündig und bis heute sprudelt eine
ansehnliche Menge von durchschnittlich 80 I pro Minute aus dem Untergrund. In früheren
Zeiten mag dies noch gereicht haben für unser kleines Dorf mit halb soviel Einwohnern wie
heute, die notabene, wenns hoch kommt zwei Zapfstellen besassen, eine in der Küche und
eine im Stall. Alle Dorfbrunnen wurden damals von eigenen Quellen gespiesen.
Aus Ueberlieferung wissen wir, dass die trockenen Jahre 1947/49 Grenzen setzten, und in
den darauffolgenden Jahren die Gruppenwasserversorgung Andelfingen
und Umgebung gegründet wurde Sie hatte den Zweck die ange- schlossenen Gemeinden
mit Thur- Grundwasser zu beliefern. Mit
den Jahren verviel -fachte sich im Einzugsgebiet die Zahi der
Einwohner, begleitet von neuerlichen Engpässen in der Zulieferung. Zudem wurden
Haushaltmaschinerien und Bäder
in allen Varianten, wie auch Gartenbewässerungsanlagen installiert. Letztere vor allem
zur Beruhigung der Gartenbesitzer (man hat dann der Natur etwas Gutes getan).
Weitere Ausbauetappen der Wasserversorgung folgten. Erwähnt
sei als wohl wichtigste der Bau des Grundwasserpumpwerkes Schmugglerberg im Wald zwischen
Marthalen und Rheinau, von wo aus wir seit noch gar nicht so langer Zeit erstklassiges
Rhein-Grundwasser beziehen können. Dass die dazugehörende Infrastruktur seinen Preis hat
muss hier doch erwähnt werden. Habe ich eingangs die tägliche Menge unserer Wasserquelle
von ungefähr 100m/3 erwähnt, wird ersichtlich wie enorm wichtig
im vergangenen Sommer das nie versiegende Rhein-Grundwasser war. Allein in den Monaten
Juni, Juli und August bezog Humlikon pro Tag durchschnittlich 200m/3. Ein unerklärliches
Phänomen sei hier erwähnt seit Jahrzehnten ist der Verbrauch immer am Freitagabend
spezieil hoch. In der zweiten Junihälfte wurde die von Zürich diktierte und von der
Gemeindeversammlung beschlossene Sanierung der Wasserfassung ausgeführt. Das
Quellwasser musste abgeleitet werden, somit stieg der Bezug von der Gruppe pro Tag auf
über 400m3, dh pro Einwohner auf ca 1'000 I !
Dieser hohe Wasserverbrauch wie auch die veraltete Pumpensteuerung bewirkten einige
Engpässe, die mit Nacht- und Sondereinsätzen überbrückt wurden,
gleichzeitig aber wegweisend für die Zukunft sein müssen.
Zurück zur Sanierung der Brunnenstube. Dies ist der begehbare Schacht in der das
Quellwasser zum erstenmal ersichtlich wird. Während
der Grabarbeiten stiess der Bagger in 3m Tiefe auf einen Schacht der mit einer 20cm dicken
Sandsteinplatte überdeckt war. Beim Beseitigen der erwähten
Abdeckung zeigten sich auf der unteren Seite eingemeisselte Anfangsbuchstaben der
damaligen Erbauer der Wasserfassung. Auch die Jahreszahl 1893 ist ersichtlich. Dies war übrigens die Zeit in der auch das
Reservoir Lingg wie auch die damalige neue Gemeindewasserversorgung erstellt wurden. Im
Zuge der Grabarbeiten wurde ersichtlich, dass auch die eigentlichen Wasserfassungen in
ihren Tonröhren sanierungsbedürftig waren. Nach Grabarbeiten bis 3,5m Tiefe quoll aus
fingerdicken Rissen im Sandsteinfelsen sauberes, 7 Grad kaltes Wasser hervor und lief und
lief und lief.................
Für mich als Brunnenmeister der die Wasserversorgung bald vierzig Jahre begleitet,
bedeutete dieses Erlebnis einen Höhepunkt in meiner Wasserkarriere. Erahnen kann dies nur
wer sich noch erinnert, dass damals 35 Grad im
Schatten Mode war.
Nun rinnt das Wasser wieder seinen Lauf und jederMann und jedeFrau dreht wie gewohnt den
Hahn auf und zu und spätestens beim jährlichen Wassermesser-Ablesen gibt's dann grosse
Augen. Wenigstens diesen Moment lang besinnt sich manch einer wieviel Wert sauberes
Trinkwasser hat, wenn auch nur in Franken ausgedrückt.
Ich hoffe, die Bürgerinnen und Bürger von Humlikon denken dannzumal an den Sommer 2003
zurück, wenn es darum geht, weitere Sanierungen zu beschliessen, auch wenn enorme Kosten
anfallen. Diejenigen, die die Realität etwas verloren haben, die erst hellhörig werden
beim bezahlen der Wasserrechnung, möchte ich meine Version verraten:
Ein Kaffee-Creme kostet ca. Fr 3.50,
1000 I
Trinkwasser nicht einmal die Hälfte
Der Brunnenmeister:
Armin Flacher, Humlikon
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